Gerne möchte ich einige Gedanken aus der zweitägigen Fortbildung im Februar teilen.
Eines der ersten Themen war die Frage, wie wir uns in der eigenen Gemeinschaft ansprechen – formal mit „Sie“ oder informell mit „Du“ und was das mit uns in Bezug auf Nähe und Distanz macht. Dann erzählte eine Novizin, wie sie gerade ihre Ausbildungssituation erlebt.
Anschließend waren wir eingeladen, auf unsere eigenen Ausbildungserfahrungen zu schauen.
Das Themas Nähe und Distanz hat zumindest vier Dimensionen:
Körperlich-räumlich: Wie viel körperliche Nähe ertrage / möchte ich? Wie bin ich aufgewachsen?
Kulturell: Vorlieben, Gepflogenheiten
Funktion und Rolle: Wer bin ich? Bin ich allein oder in einer Gruppe? Wie lebe oder erlebe ich die Unterscheidung von forum internum und forum externum?
Macht und Transparenz.
Die correctio fraterna (eine Art des Feedback) zweimal im Jahr bereits in der Anfangsausbildung einzuführen, finde ich sehr spannend. Die entscheidenden Fragen sind dabei: Wo ist dein Potential? Was habe ich bei dir entdeckt? Was möchte ich dir mitgeben für dein Wachstum?
Den zweiten Tag begannen wir mit einem synodalen „Gespräch im Geist“ (conversation in the spirit) über die Blindenheilung in Mk 8,22-26. Einen großen Teil der Zeit verbrachten wir mit der Sammlung und dem Umgang mit Tabus, d.h. mit Dingen und Themen, die oft unter den Teppich gekehrt werden. Einige der Tabus die oftmals genannt wurden, waren:
- Körperpflege / Hygiene
- Unterschiedliche Bedürfnisse der einzelnen und daraus folgend die Eifersucht und Angst, zu kurz zu kommen
- persönliche Missbrauchs- und Gewalterfahrungen
- Sexuelle Themen
- Umgang mit dem Älter-Werden
- Präsenz in der Gemeinschaft bzw. Verhalten der Gemeinschaft gegenüber
- Murren und übereinander reden
- Suchtverhalten
- Keine Transparenz: Undurchsichtigkeit, und Verschleierung
- Handhabung von persönlichen Finanzen
- Austritt von Brüdern und Schwestern
- Störende Eigenarten einer Person
- Grenzen der einzelnen
- Bildung, Ausbildung der Ordensmitglieder und ihre Auswirkungen
- Sozialer Hintergrund
Diese Liste kann auch für uns eine gute Gewissenserforschung und zugleich Ermutigung sein, die Tabus zu brechen und die Themen zur Sprache zu bringen.
Sr. Gudrun
