Am 2. Juni 2026 feierten wir das Begräbnis von Sr. Friedmunda Gaukler. Auch Verwandte aus Deutschland waren gekommen. Es war ein Fest der Dankbarkeit. Schon 2024 hat Sr. Friedmunda mit mir die Parte und den Nachruf verfasst. So waren es ihre eigenen Worte, die wir beim Begräbnis hörten – gewissermaßen eine letzte Predigt. Auf ihren Wunsch hin durfte ich das Begräbnis leiten. Den Auferstehungsgottesdienst feierten wir anschließend im Marienheim. Bei der gemeinsamen Agape wurden Erinnerungen ausgetauscht und ich las einige persönliche Worte von ihr vor.
Ihre Lieblingsbibelstelle war: Gott, du weißt alles, du weißt, dass ich dich liebe. (Joh 21) Werte, die ihr Leben bestimmt und getragen haben, waren Einfachheit, Zufriedenheit, Gemeinschaftssinn, Dialog, annehmen und loslassen können, eine große Unkompliziertheit und eine tiefe Dankbarkeit für jede Kleinigkeit – vor allem in den letzten Jahren. Sie liebte die Natur in ihrer Schönheit und hatte viel Freude am Singen. Sie sagte immer wieder: „Wir vergessen oft das Schöne, wenn wir schwierige Zeiten haben.“ Ein Spruch des Hl. Augustinus hat sie begleitet: „Aus Gottes Hand empfing ich mein Leben, unter Gottes Hand gestaltete ich mein Leben, in Gottes Hand gebe ich mein Leben zurück.“
Auf die Frage, was sie gerne nochmals machen würde, antwortete sie: „Ins Kloster eintreten und irgendetwas lernen – eine Ausbildung machen. Ich war so lernhungrig. Ich habe alle beneidet, die in die Schule gegangen sind. Ich wollte auch gerne ein Musikinstrument lernen und habe so gerne gesungen. Bei mir war es nicht möglich. Meine drei Jahre jüngere Schwester hat dann Harmonium gelernt und in der Kirche die kleine Orgel gespielt und ich durfte umblättern.
Beim Eintreten habe ich geglaubt, ich bin im Himmel. Später habe ich auch anderes gemerkt. Ich wollte so gerne die Krankenpflegeausbildung abschließen, durfte aber nicht. Ursprünglich sollte ich Handarbeitslehrerin werden, dann aber sagte Sr. Editha: „Die muss unter die Leute.“ – Damit hatte sie absolut recht.“
So sehr hat sie sich nach dem Himmel gesehnt. Im 101. Lebensjahr wurde ihr der Wunsch endlich erfüllt.
Sr. Gudrun
