Die besonderen Charismen des Hl. Franziskus in der Legenda Maior

Am 17.1.2026 habe ich an einem Vortrag von Univ.-Prof. em. Marianne Schlosser zu den besonderen Charismen des Hl. Franziskus in der Legenda Maior von Bonaventura teilgenommen. Der Vortrag wurde von der Franziskanischen Jugend gemeinsam mit dem OFS organisiert und fand im Refektorium des Wiener Franziskanerklosters statt. Ich habe im Rahmen meines Studiums bereits mehrmals Seminare bei Prof. Schlosser besucht. Sie hat die Legenda Maior, eine der beiden Franziskusviten von Bonaventura, neu übersetzt und überarbeitet.

Das Wort Legende leitet sich vom lat. „legendum esse“ ab und meint zunächst einen Text, den man gelesen haben sollte. Die Legenda Maior hat Bonaventura 1257 oder 1260 im Auftrag des Generalkapitels für die Tischlesung in den Klöstern an franziskanischen Festtagen geschrieben. Zu dieser Zeit war der Orden innerlich sehr gespalten. Bonaventura schreibt eine neue Legende, weil er sagt, man lebt nicht nur von einer Ordensregel, sondern auch von einem Vorbild. Er wollte Franziskus als Vorbild darstellen. Für dieses Vorhaben besucht er die letzten noch lebenden Gefährten der ersten Generation. Als einen Teil der Legenda Maior beschreibt Bonaventura die Charismen von Franziskus. Charismen sind Gnadengaben von Gott, die man nicht für sich selbst bekommt, sondern um sie für andere einzusetzen, entweder für eine bestimmte Zeit, oder auf Dauer. Bonaventura sagt, einige Charismen besitzt Franziskus von Natur aus, wie z.B. ein weiches Herz oder ein tiefes Mitgefühl mit den anderen. Es hat mir gefallen, dass Prof. Schlosser ihren Vortrag mit dem Gedanken beendet hat, dass Franziskus auch ein Vorbild der Kontemplation ist, weil er Freude an den Geschöpfen hatte, ohne sie zu missbrauchen. Voraussetzung für die Kontemplation nach Bonaventura ist die Liebe, die jedes christliche Leben prägen soll.

Sr. Jana

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