Den 115. Sterbetag von Mutter Franziska Streitel feierten die Schwestern von der Schmerzhaften Mutter mit der Gemeinde von Alt-Simmering in der Pfarrkirche St. Laurenz. Eine kleine Instrumentalistengruppe (Sr. Jana, Sr. Elisabeth, Renate) begleitete den Volksgesang, bei dem das Mutter-Franziska-Lied nicht fehlen durfte.
In einer Ansprache betrachtete Günter den Lebensweg von Mutter Franziska, der für einen außenstehenden Beobachter ein wenig widersprüchlich erscheinen mag. Bei näherer Betrachtung aber erschließt sich der tiefe Grund dafür: Der unbedingte Gehorsam dem erkannten Willen Gottes gegenüber erfordert immer wieder das Loslassen von bereits erreichten Zwischenzielen und die Bereitschaft, Neues zu beginnen – immer wieder: „Dein Wille geschehe.“ Als eifriger Radfahrer verglich Günter diesen Weg mit einer Radtour, die zwar ein festes Ziel hat, aber doch muss man an Abzweigungen oft neu den Weg suchen und auch Umwege in Kauf nehmen.
Ein zweiter Gedanke knüpfte an den Namen der Kongregation „Schwestern von der Schmerzhaften Mutter“ an. Günter empfindet ihn als Widerspruch zu der offenen Herzlichkeit und Freude, die die Schwestern ausstrahlen. Aber auch hier zeigt sich bei näherer Betrachtung, dass der Glaube an die Auferstehung die Kraft gibt, unter dem Kreuz auszuhalten, d.h. Leid und Schmerz mitzutragen und dabei nicht zu resignieren oder zu verzweifeln. Dazu gab es noch einen Vergleich mit dem Radfahren:
Der Fahrradhelm schützt den Kopf vor Verletzungen – die Hoffnung schützt die Seele vor Mutlosigkeit. Der Kinngurt hält den Helm fest – der Glaube sichert die Hoffnung. Und die Fahrradbrille? Sie schützt vor Blendung, der Blick bleibt frei für die Umgebung – die Liebe nimmt die Mitmenschen, die Umwelt mit Wohlwollen und Zuneigung wahr.
„In eurer Herzlichkeit, in euren Gesprächen, in eurer Musik, in den Biblischen Figuren, in eurer Gastfreundschaft leuchtet etwas von Ostern! Für dieses Zeugnis danken wir alle euch.“ beendete Günter die Rede.
Nach der Eucharistiefeier beschloss das gemeinsame Beten des Kreuzweges den Abend.
Renate Stingl

